Käufer der Bawag P.S.K. war ein Konsortium unter der Führung des US-Fonds Cerberus Capital Management. Damals arbeitete Anas Abuzaakouk noch für den Hedgefonds, inzwischen ist er seit 2017 der Vorstandsvorsitzende der ebenfalls seit diesem Jahr börsennotierten Bank. Die Strategien seines Ex-Arbeitgebers dürfte sich der Amerikaner beibehalten haben. Sein Fokus auf Kostenreduktion hat nicht nur die Belegschaft der Bawag und der jüngsten Akquisitionen aufgewühlt, sondern bereitet nun auch dem irischen Finanzminister Simon Harris (Fine Gael) erhebliches Kopfzerbrechen.
Irland will PTSB verkaufen
In Irland steht die PTSB (Permanent TSB) zum Verkauf. Der irische Staat rettete das Geldhaus in Dublin in der Finanzkrise 2008/09 und hält noch 57 Prozent der Anteile. Zu den Interessenten gehört neben den US-amerikanischen Private-Equity-Unternehmen Lone Star und Centerbridge die österreichische Bank Bawag.
Bild vergrößern
Seit ihrem Börsengang wuchs Bawag durch Akquisitionen. DieP resse
Deren Strategie für die staatliche Bank soll beim Entscheidungsprozess für Harris eine erhebliche Rolle spielen. Die Verkaufsverhandlungen gewinnen laut der „Sunday Times“ in Irland an Tempo. Demnach könnten bereits Interessenten in dieser Woche Angebote für PTSB abgeben. Der Vorstand der Bank will den Prozess beschleunigen und fordert die Interessenten auf, ihre Absichten früher klarzustellen. Ein langfristiger Eigentümer und Wachstum der Bank seien für die Führungsspitze der Bank Priorität. Während der Finanzminister einem Vorschlag, die Frist für erste Angebote auf Mitte nächsten Monats zu verschieben, zugestimmt habe, verwehrte sich der Bankvorstand gegen eine Verschiebung.
Verkaufsentscheid in Kürze
Damit müssen nun die Angebote in der zweiten Bieterrunde abgegeben werden. In der ersten Runde lagen die Gebote unter den dargelegten Preisvorstellungen des Finanzministers. Je nach Höhe der Gebote könnte der Prozess innerhalb weniger Wochen abgeschlossen sein, woraufhin der Vorstand in exklusive Verhandlungen mit einem bevorzugten Bieter eintreten würde. Die Genehmigungen für eine etwaige Übernahme würden jedoch viele Monate in Anspruch nehmen.
Bild vergrößern
Die Bank hat im Zuge einer Reihe von Akquisitionen immer wieder Mitarbeiter abgebaut. Clemens Fabry
Alle potenziellen Bieter dürften bei einer Übernahme Kostensenkungen zur Priorität machen. Die PTSB weist eine Kosten-Ertrags-Quote von 75 Prozent auf, was deutlich über dem Niveau ihrer irischen Mitbewerber liegt. Mit Blick auf die Historie der Bawag dürfte die Wiener Bank versuchen, Kostensenkungsmaßnahmen zu beschleunigen und erhebliche Rationalisierungsmaßnahmen umzusetzen.
Personalabbau und Kostenreduktion
Nicht nur hatte die Führung der Bawag vor allem die eigenen unteren Managementebenen ausgedünnt, sondern auch bei Zukäufen immer wieder den Rotstift kräftig angesetzt. Nach dem Kauf der Südwestbank wurden rund 100 Vollzeitäquivalente reduziert, später das Post-Filialnetz und rund 400 weitere Vollzeitäquivalente abgebaut. 2021 folgte ein weiteres Effizienzprogramm. Zuletzt stand der Mitarbeiterstand nur wenig über dem von 2017 – und das, obwohl eine Reihe an Geschäften und Banken wie Hello bank oder die niederländische Knab hinzugekauft wurden. Die irische PTSB beschäftigt derzeit 2918 Vollzeitäquivalente.
Bild vergrößern
Dividende stieg, Personal blieb trotz Übernahmen fast gleich auf Die Presse
Die immerwährende Verschlankungskuren lässt sich die Bank in Gewinnausschüttungen vergolden. Seit dem Börsengang 2017 wurden zusammengerechnet 2,13 Milliarden Euro an Dividenden ausgeschüttet. Für das vergangene Geschäftsjahr 2025 wartet der Vorstand mit einem Dividendenvorschlag in Höhe von 6,25 Euro je Aktie auf – ein Rekord für die Bawag. Die Hauptversammlung heuer im April dürfte diesen wohl wie die Jahre zuvor auch genehmigen.
Rekord-Dividende für Bawag-CEO
Kritik gab es in der Vergangenheit von den Aktionären nur zur noch damals ungeregelten Vergütungspolitik der Bawag-Manager. Hier gibt es indes einige Besonderheiten: So verlangt die Vergütungspolitik der Bank, dass der CEO während seiner gesamten Amtszeit eine Anzahl von Bawag-Aktien im Gegenwert von mindestens dem Fünffachen seines Jahresgrundgehalts zu halten hat. Für die weiteren Vorstandsmitglieder liegt die Mindestanforderung bei dem Dreifachen ihres Jahresgrundgehalts. Neue Vorstandsmitglieder müssten die geltende Aktienbesitzanforderung innerhalb von drei Jahren erfüllen.
Mehr lesen
WKÖ-Bankenchefin Eva Landrichtinger hinterfragt rechtliche Grundlage der Bankenabgabe
Damit soll eine Kultur von Leistung und Verantwortung gefördert werden, hieß es im Vergütungsbericht. Allerdings macht die Vorgabe den Posten für außenstehende Manager unattraktiv. So hält der sechsköpfige Bawag-Vorstand insgesamt derzeit rund 3,6 Millionen Aktien der Bank. Bawag-CEO Abuzaakouk allein hält mit 1,39 Mio. Aktien 1,8 Prozent an der Bank. Damit winken ihm heuer rund 8,7 Millionen Euro allein an Dividenden. Obendrauf gibt es eine Jahresvergütung in Höhe von 5,4 Millionen Euro plus diverser Boni in Bar und Aktien.
Damit zählt er zu den bestverdienendsten Bankmanagern Europas. Zum Vergleich: Sergio Ermotti von UBS erhielt 2024 rund 15,6 Millionen Euro und Andrea Orcel, CEO der Bank-Austria-Mutter UniCredit, verdiente rund 13,2 Millionen Euro. Mit solchen Anreizen werden übrigens auch jene Mitarbeiter belohnt, die nicht gekündigt wurden. Für jeweils drei gekaufte Aktien legt die Bank eine obendrauf. 13.669 Aktien wurden allein 2024 mit dem „Matching-Programm“ verteilt.
Auf einen Blick
In der Finanzkrise ab 2008 rettete der irische Staat seine Banken, was fast zum Staatsbankrott führte und ein Hilfspaket der EU und des IWF nötig machte. Die Finanzinstitute des Landes hatten sich durch eine massive Immobilienblase und Garantien für Bankeinlagen übernommen, was die Regierung zwang, Banken zu verstaatlichen. Allein zwischen 2008 und 2011 flossen mehr als 63 Milliarden Euro Staatsgelder als Kapitalhilfen an diese Banken.
Mehr lesen
Bawag bietet mehr als eine Milliarde Euro für staatliche irische Bank PTSB
Helmut Ettl verlässt überraschend und vorzeitig die Finanzmarktaufsicht
Signa-Deal um Postsparkasse wegen Jagdeinladung in der Kritik – BIG-Chef verdiente ein Drittel mehr als der Bundeskanzler